Zerstreuungsparadoxon

mygirl

Das Problem ist ja nicht nur, daß unser Leben sich durch blinkende Benachrichtigungen und piepsende Symbole und die endlosen Twitter-, Facebook-, Snapchat-, Youtube-, Whatever-Timelines in eine einziges riesiges Prokrastinationsfestival verwandelt hat, nein, das eigentliche, größere, schlimmere Problem ist, daß all die Dinge, die man eigentlich immer gebacken kriegen will, anstatt auf Facebook, Twitter, Youtube, Zeitungen oder Fernsehen herumzuhängen, also all das, was man im Kopf hat, wenn man denkt:

Scheiße, jetzt hänge ich hier schon wieder fest, 12:00 Uhr und noch nix geschafft – all dieses schöne, große, wünschenswerte, das man eigentlich erschaffen sollte, es verwandelt sich dann auf der anderen Seite in die Ablenkung der anderen.

All die Kulturproduktion, all die Songs und Texte und Bücher und Filme und Bilder und anderen tollen Produktionen sind dann am Ende einfach nur Teil der großen Zerstreuungstimelines, vor der dein potentielles Publikum sitzt und denkt:

Scheiße, eigentlich sollte ich dieses und jenes, aber stattdessen bin ich jetzt hier an diesem mittelguten Film/Text/Kulturding hängengeblieben, 12:00 Uhr und noch nix geschafft.

Man kann sich eigentlich nur noch geschlagen geben, Kinder in die Welt setzen und darauf hoffen, daß die es mal besser machen, ach nee, die verwandeln sich ja schon vor dem Schulalter in willenlos daddelnde Zombies.

Ich fürchte, wir kommen da nicht mehr raus, liebe Menschheit.

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