Alle Artikel in der Kategorie “Dingens

Umgang mit dem Wort Autismus in Medien

Medien und Journalismus

Society, you’re a crazy breed, I hope you’re not lonely without me
society, crazy indeed, I hope you’re not lonely without me
(Eddie Vedder)

 

Manchmal ist der Umgang mit Wörtern zur Nutzung als Metapher im Journalismus erstaunlich. Sei es das journalistische Standardmaß „Fußbalfeld„, welche gerne genutzt wird um alle möglichen größere Dinge zu erklären, oder die inflationäre und somit beim Leser ermüdende Nutzung von Kriegs-Metaphorik.

Nun ist man seit geraumer Zeit auf ein neuen Trend gekommen: Zur Beschreibung von fast immer andersartigen Verhalten einer Gruppe oder Einzelpersonen als Gegenbild der gesellschaftlichen Norm, wird heute Autismus verwendet. Entweder ist es der „gesellschaftliche Autismus“ oder der „kalte Autismus“ oder der „sexuelle Autismus“, wie zum Beispiel nun zur Herleitung des Textes „Die Zauberlehrlinge machen Party“ von Ingeborg Harms auf Zeit Online.

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Die Mär mit dem Twee-Q

Gender und Gleichstellungtweeq

Seit einigen Tagen landen vermehrt gleichlautende Tweets in meiner Timeline:

How equal are your tweets? @users’s Twee-Q is X. Distribution of retweets: Y% women, Z% men. #tweeq http://TWEE-Q.com

Meistens wurden diese Tweets von Personen, die ich auf Grund ihres Interesses an Gleichstellungsthemen und oder ihrem Interesse an geschlechterübergreifender Problembehebung lese, verfasst. Desto erschreckender fand ich, dass der Dienst Twee-Q von diesen Personen weder hinterfragt, noch genau betrachtet wurde, was dort eigentlich gemacht wird. Stattdessen wurde die Idee sogar als „gut aber nicht weitreichend“ bezeichnet und durch die offene Möglichkeit Nutzer zu bewerten sogar bewusst Personen an den Pranger gestellt.

Denn Twee-Q ist nicht nur statistische Kaffeesatzleserei, sondern schafft ein Problem welches nicht existieren würde, wenn man es nicht durch Twee-Q erst geschaffen hätte.

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Leistungsschutzrechtsbezieher

Internet und Rechtnetzfreier raum

Ab dem 01. März 2013 wird es Leistungsschutzrechtsbezieher in der Bundesrepublik Deutschland geben, denn heute wird der Bundestag darüber beschließen, dass Presseverlage dafür Geld bekommen werden, wenn andere Werbung für deren Inhalte im Internet machen und sie diese Inhalte teilweise zitieren und auf die Ursprungsquelle verlinken, so wie es Google mit seinen Textsnippets macht.

Zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger wurde eigentlich alles gesagt:

Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger hat weder eine Notwendigkeit noch eine Rechtfertigung. Ein solches Recht wird einerseits nicht benötigt und hat andererseits – unabhängig von dessen Ausgestaltung – zwangsläufig sehr bedenkliche Auswirkungen auf die Interessen Dritter und das Gemeinwohl. – IGEL

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KinderServer leicht umgehen.

Sicherheit und Internet

KinderServer-info

Mit großen medialen Echo startet die Familienministerin Kristina Schröder ihren KinderServer. Mit toll klingenden Überschriften wie „Sicheres Surfen für Kinder“ oder „Schutz vor Sex-Inhalten“ wird eine schnell dahingezimmerte Add-On für den Firefox-Browser und Google-Chrome beworben, was nichts anderes ist, als ein Proxy-Server.

Mal wieder wird versucht zu suggerieren, dass man Kinder vor dem Internet schützen müsste, mal wieder werden dadurch Inhalte die eher der Aufklärung und Bildung eines Kindes dienen würden gesperrt und gefiltert und mal wieder wird versucht den Eltern zu vermitteln:

„Lasst euer Kind ruhig allein vor dem Computer sitzen, denn es kann nichts passieren mit diesem tollen Werkzeug.“

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Cojones hart wie Camembert.

Die Sendung war nicht frauenfeindlich, sondern menschenverachtend

Glaube zu neoParadise und der Debatte um den „gestelltensexuellen Übergriff an einer Messehostes wurde alles gesagt.

Das ZDF und Joko haben versucht sich in 140 Zeichen zu entschuldigen, der Freitag fragt „Weiß Herr Heufer-Umlauf eigentlich, was ihm da so aus dem Munde entfleucht? Denkt er vor dem Sprechen? Oder denkt er lieber gar nicht?“ und Antje Schrupp schließt mit „Eine solche Sendung ist in jeglichem denkbaren Kontext frauenfeindlich, denn der einzige Inhalt dieses „Witzes“ ist es, das Verhältnis von Männern zu Frauen als eines der Macht und der Dominanz darzustellen, dass Männer mit Frauen Dinge tun können, ohne sich um deren Zustimmung und Meinung zu scheren.“ ab.

Feminismus und sexuelle Übergriffe werden durch die Debatte wieder medial platziert und bekommen notwendige Berichterstattung und zeigen in diesem Bereich auf, wie wichtig hier eine gesellschaftliche Sensibilisierung ist.

Die Sendung war aber letztlich nicht einfach nur frauenfeindlich, sondern schlicht menschenverachtend.

Diese ganze Reduzierung auf “Wenn du dich nicht traust, die Frau ohne ihre Einwillung anzufassen, bist du feige!” ist einfach zu einfach. Es ist immer entwürdigend, von fremden Menschen ohne die eigene Einwilligung angefasst zu werden, ganz egal, ob man eine Frau oder ein Mann ist und dies hat die Sendung durchweg getan.

Der eigene Körper gehört einem selbst, wird in Deutschland vom Grundgesetz im Artikel 2 mit dem Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit und der körperlichen Unversehrtheit zugesichert und wenn jemand Fremdes ihn ungefragt anfasst, dann läuft etwas falsch und ich habe das Recht mich dagegen zu wehren. Nein, nicht nur mich zu wehren, zu soetwas darf es einfach nicht kommen und es darf definitiv nicht durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen protegiert werden. Da ist es dann auch egal, ob es ein B-Promi ist und sich dafür in der Sendung mit schwarz/weiß-Einblendungen entschuldigt und dafür nachträglich einen Tweet versendet.

Die gesamte Sendung sollte mit dem Thema der eigenen körperlichen Unversehrtheit punkten und Witze auf Kosten von Entwürdigung und Verachtung aufbauen.

Joko verteilt absichtlich zu Beginn der Sendung Chipskrümel auf dem Boden und lässt es von der Hostess aufsaugen. Dies entwürdigt die Angestellte, auch wenn dies wohl noch in ihren Arbeitsbereich aus Demonstrationsgründen fallen würde. Klaas wird von Joko wohl dazu gebracht worden sein, zur „Funkausstellung“ ein Funk-Kostüm aus den 1960er Jahren tragen zu müssen. Mehrere Gäste werden mit einem sehr übelriechenden Pupsspray bewusst weggeekelt. Sehr witzig. Willkommen beim Privatfernsehen.

Mit dem stinkenden Finger, den jeder kennt wer schon mal so einen Scherzartikel besessen hat oder mit diesem stinkenden Zeug in Kontakt kam, soll Klaas nun Nasen von den „spießigen Schlipsträgern klauen„. Da aber fünf „spießige Schlipsträger„, die ja auf so einer Messe eh wohl weiß und im mittleren Alter sein werden langweilig sind, fehlt Joko natürlich in seiner Sammlung auch eine „asiatische Nase„, die ja auf solch einer Messe eher selten ist. Wer den Kulturraum kennt und wenn der Angestellte der Firma Hyundai vielleicht sogar Südkoreaner war, war nur dieses „anfassen der Nase“ ein schwerer Eingriff in sein Gibun. Wie höflich dieser Herr es überspielen kann, ist bewundernswert.

Da aber selbst die „asiatische Nase“ noch zu langweilig ist und selbst die Asiaten ja schon mit Schlips und Anzug rumlaufen, braucht man natürlich auf einmal keine „spießige Schlipsträgernase“ mehr sondern, eine mit Bollywood-Musik unterlegte, wohl indische Nase. Auch hier wurde also fünfmal wundervoll ein Mensch ohne vorher um Erlaubnis zu Fragen begrapscht und sich munter über dessen kulturelle Umgebung oder Herkunft lustig gemacht.

Dann kommt der zum Eklat geführte und  „nur angedeutete“ Übergriff an der Hostess, wird melodramtisch mit böser und moralisch verwerflicher Musik unterlegt, es wird sich „wahnsinnig“ dafür entschuldigt und durch eine schwarz-weiße Einblendung sich für dieses menschenverachtende Verhalten von Joko entschuldigt, die durch einen „freundschaftlichen sexuellen Übergriff“ bei Joko von Klaas dann wieder lustig, bunt und munter weitergespielt wird.

Bisschen Pupsspray noch hier und da verteilen um ein paar Messebesucher zu verschrecken und dann kommt die eigentlich entscheidende Szene, die dieser menschenverachtenden Sendung ein tolles Ende beschert.

An einem Messestand für Friseurbedarf soll Klaas sich von Joko die Haare schneiden lassen. Hier wird dann aber abgebrochen. Die Haare schneiden lassen von jemanden dem man nicht Vertrauen kann, der Menschen ohne zu Fragen sexuell belästigt und andere dazu auffordert geht selbst Klaas zu weit. Diest steht ja in keinem Verhältnis. Dies wäre halt ein einfach viel zu großer Eingriff in seine eigene Unversehrtheit und seine Menschenwürde.

Diese öffentlich-rechtliche Sendung strotzt vor Verachtung an der Unversehrtheit andere Menschen und Kulturen, nur wenn es dann um die eigenen Schönheitsideale geht, dann wird man auf einmal hellhörig.

Ich werde ebenfalls an den Presserat schreiben, aber mir geht es nicht nur um den sexuell-motivierten Übergriff, sondern um die ganze menschenverachtende Sendung.

Sowas habe ich noch nicht einmal in den privaten Medien gesehen.

Bin aber wohl nur einfach wieder viel zu menschlich und ein zu radikaler Humanist und ich sollte doch mal einfach ein bisschen toleranter sein.

(Überschrift aus einem Tweet von @c_holler kopiert.)

Porno-Pirat und ACTA-Berichterstattung

Anscheinend bin ich jetzt boulevardtauglich gemacht worden.

Nach der ganzseitigen Vorberichterstattung zur ACTA-Demonstration wurde letztlich als Nachberichterstattung dieser nette Artikel in der Dewezet veröffentlicht:

Bekanntlich sind ja die Piraten ausgewiesene Anhänger des Internets und sie nutzen es intensiv, wenn nicht gar exzessiv. Kein Wunder also, dass sich auch heimische Kommunalpolitiker dieser Richtung an einer Demonstration in Hannover beteiligten, mit der gegen das Urheberrechtsabkommen „Acta“ protestiert werden sollte – angeblich fürchten die Gegner dieser Regelung die Einführung einer Zensur im Netz und eine eingeschränkte Nutzung desselben. Unter den Kritikern, die in Hannover ihren Unmut zum Ausdruck brachten, war auch Torben Friedrich, Ratsmitglieder der Piraten in Coppenbrügge. Sein Plakat spricht Bände: Der Spruch darauf lautet übersetzt in etwa, dass das Internet für Pornografie da sei. Mit dieser These hat es der Nachwuchspolitiker immerhin in ein Online-Magazin geschafft. Mag man drüber denken, wie man will…

Man kann sagen die Schilder haben sich gelohnt.

Dieses „immerhin“ Online-Magazin war übrigens heise. Immerhin.